2010, November/Dezember: Tod auf dem Nil (Kurzgeschichte)

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Christian
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2010, November/Dezember: Tod auf dem Nil (Kurzgeschichte)

Beitrag von Christian » 22.11.2010, 20:09

Wir starten den Book Club mit "Tod auf dem Nil" aus dem Sammelband Parker Pyne ermittelt (Parker Pyne investigates).

Die Kurzgeschichte erschien im Juli 1933. John Curran enthüllt in seinen "Secret notebooks", dass Christie ursprünglich beabsichtigte, Herucle Poirot einzusetzen. Warum sie sich dann für Parker Pyne entschied, dazu dann am 6.12. 2010. Auch spielte sie mit dem Gedanken, die Geschichte zu einem Theaterstück umzuarbeiten.

Ab Freitag, 10.12.2010 sind alle Beiträge zur der Kurzgeschichte und ihrer Übersetzung herzlich willkommen.


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Re: 2010, November/Dezember: Tod auf dem Nil (Kurzgeschichte

Beitrag von Christian » 10.12.2010, 08:21

Auf der SS Fayoum wird Parker Pyne von Lady Grayle angesprochen. Sie glaubt, dass ihr Mann sie allmählich vergiftet. Liegt die Lady mit Ihrem Verdacht richtig?

In den "Secret Notebooks" sind die ersten Notizen zur der Kurzgeschichte abgedruckt. Demnach plante Agatha Christie, zunächst Hercule Poirot oder einen Geistlichen ermitteln zu lassen. John Curran vermutet in seinem Buch, dass Christie auf Poirot verzichtete, weil dieser bereits in "The Cornish mystery" ermittelte hatte, wo der Plot sehr ähnlich dem von "Death on the Nile" ist.

In ihren Notizbüchern spielte Christie sogar mit dem Gedanken, die Geschichte zu einem Theaterstück umzuarbeiten.

Für mich zählt "Death on the Nile" eher zu den schwächeren Geschichten der Queen of Crime. Die Figur Parker Pyne bleibt mir sowieso zu blass. Was ist er eigentlich: ein Detektiv oder eher ein Psychiater?
Der Plot der Geschichte erscheint mir nicht sehr ausgefeilt, die Enthüllung des Schuldigen kommt zu plötzlich. Auch die spektakuläre Szenerie (Ägypten) wird - im Gegensatz zu dem Roman - kaum beschrieben.

Ich gebe "Tod auf dem Nil" 4 von 10 möglichen Punkten.
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Anna6566
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Re: 2010, November/Dezember: Tod auf dem Nil (Kurzgeschichte

Beitrag von Anna6566 » 14.12.2010, 11:43

Hier als mein Beitrag - eine ausführliche Inhaltsangabe:

Parker Pyne möchte auf dem Dampfboot S.S. Fayoum den Nil von Luxor nach Kairo bereisen. Außer ihm befinden sich nur noch Sir George und Lady Grayle, deren Nichte Pamela, Lady Grayles Krankenschwester Elsie MacNaughton und Sir Georges Privatsekretär Basil West an Bord. Sir George hatte Lady Grayle geheiratet um seine finanziellen Schwierigkeiten zu beenden. Den Preis, den er dafür zahlt, ist eine Ehe mit einer schwierigen, meist übel gelaunten und hypochondrischen Frau. Als die Dame davon erfährt, dass Parker Pyne mit an Bord ist, reagiert sie verärgert, hatte man ihr doch versichert, dass ihre Gesellschaft allein an Bord sein würde. Pamela, die mit ihrer angeheirateten Tante nicht sympathisiert, meint zu Sir George, dass die Krankheit der Lady nur gespielt ist. Die einzige Person, der all die Nörgelei nichts auszumachen scheint ist Basil West, der zu allen ein gutes Verhältnis hat.

Nach dem Besuch des Tempels von Dendera findet Parker Pyne in seiner Kabine eine Nachricht von Lady Grayle, in der sie ihn bittet auf den Besuch von Abydos zu verzichten und sich stattdessen mit ihr zu treffen. Er lehnt zunächst ab, als sie ihm jedoch einhundert Pfund bietet, willigt er ein und die beiden treffen sich zum Tee. Nun eröffnet die Lady ihm, nach einer langen Einleitung, dass sie vermutet, dass ihr Mann sie vergiftet. Auf die Idee ist sie gekommen, weil es ihr immer besser geht, wenn ihr Mann nicht in der Nähe ist und es ihr schlechter geht, wenn er zurück ist. Als Parker Pyne nach einem Motiv fragt, rauscht sie beleidigt hinaus.

Kurz danach kehrt Miss MacNaughton vorzeitig vom Ausflug zurück und äußert den gleichen Verdacht wie die Lady. Parker Pyne sah die Lady nicht mehr bis kurz vor dem Abendessen, da rauchte sie eine Zigarette und verbrannte anscheinend einen Brief. Sie war immer noch beleidigt.

In der Nacht wird Pyne in die Kabine von Lady Grayle gerufen, wo er sie mit den deutlichen Symptomen einer Strychninvergiftung vorfindet. Sie stirbt nach einem letzten Krampf. Er erinnert sich sofort an den Vorfall vor dem Essen, läuft in den Salon und findet im Aschenbecher die Reste des verbrannten Briefes mit den Worten: "...apsel deiner Träume. Verbrenne dies! ".

Die Beweise sind erdrückend, denn in Sir Georges Kabine und in seinem Dinnerjacket werden Päckchen mit Strychnin gefunden. Das Gift selbst stammte von Miss MacNaughton, die es als Medikament für ihre Patientin mitführte. Pamela meint jedoch, dass sich Lady Grayle selbst umbrachte, nachdem sie festgestellt hatte, dass Pamela und Basil ein Paar sind.

Abschließend befragt er Basil. Der erklärt, dass er wusste, dass die Lady in ihn verliebt war. Parker Pyne sammelt sich einige Minuten und bittet dann, Basil sein Geständnis aufzuschreiben. Er hatte eine Affäre mit Lady Grayle, bekam dann Skrupel, verliebte sich in die Nichte und begann mit der langsamen Vergiftung, die er immer mit der Anwesenheit von Sir George zusammenlegte. Als Basil erkannte, dass die Lady misstrauische geworden war und mit Parker Pyne gesprochen hatte, war Eile geboten. Er sandte ihr die „Kapsel der Träume“ mit dem Strychnin und forderte sie auf den beiliegenden Brief zu verbrennnen. Parker Pyne behauptet, dass er diesen Brief hat (was aber nicht stimmt) und Basil gesteht.

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Anna6566
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Re: 2010, November/Dezember: Tod auf dem Nil (Kurzgeschichte

Beitrag von Anna6566 » 14.12.2010, 12:14

Nun meine Anmerkungen:

Die Kurzgeschichte ist wirklich eine kurze und so bleiben die Charaktere auch sehr blaß. Auch die Szenerie, die ja Einiges hergeben würde, wird nicht in die Handlung einbezogen.

Also mehr so - Na ja. Auch der Täter und das Motiv sind nicht wirklich überraschend.

Eine Sache ist mir besonders unangenehm aufgefallen:

In der Übersetzung heißt es: Ich weiß alles darüber. Wie Sie mit der netten Dame geschlafen haben.

Bisher dachte ich immer, man schläft bei Agatha nicht miteinander. Im Original heißt es: I know all about it. How you made love to the good lady.

Das klingt ja doch wohl deutlich besser. Da bin ich auf Eure Meinungen gespannt.

Viele Grüße

Anna

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Re: 2010, November/Dezember: Tod auf dem Nil (Kurzgeschichte

Beitrag von Christian » 14.12.2010, 21:19

Danke für deine detaillierte Inhaltsangabe.
Die für Agatha Christie untypische deutliche Formulierung war mir auch aufgefallen und wollte es noch im Original nachlesen. Danke, dass du es getan hast! Ich halte es für einen Übersetzungsfehler. Zur Zeit von Dame Agatha hieß "to make love to s.o." jemandem den Hof machen. So hätte ich es jedenfalls übersetzt.
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Re: 2010, November/Dezember: Tod auf dem Nil (Kurzgeschichte

Beitrag von mark » 14.12.2010, 22:22

Du bist mir zuvorgekommen, Christian. So ähnlich hätte ich es auch gemacht (seine Aufwartung/Verehrung ausdrücken).
Diese Art von Übersetzung ist das Resultat von geringer Bezahlung und enormen Zeitdruck, der Alltag leider von Literaturübersetzern und der Tatsache, daß es keine Lektoren mehr zu geben scheint. Die Korrektur von Word ersetzt dies heute...

Sorry, daß ich mich als Fachmann für Parker Pyne nur so kurz zu Wort melde, aber ich habe momentan gerade wenig Zeit.
Agathas Kurzgschichten sind - leider - wirklich nicht ihre Stärke, gilt für fast alle. Die mit Harley Quin nehme ich mal davon aus. Aber wie will man auch auf gerade mal 20 Seiten Spannung überhaupt aufbauen? Die Umsetzung der ersten Staffel Poirot fürs Fernsehen ist ein gelungenes Beispiel dafür, was man daraus hätte machen können.
"Mit diesem Tee könnte man Schiffsplanken streichen!"

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Re: 2010, November/Dezember: Tod auf dem Nil (Kurzgeschichte

Beitrag von cipangu » 16.12.2010, 21:03

Hallo!

Ja, ich finde leider auch das diese Kurzgeschichte bei weitem nicht ihren Erwartungen gerecht wird. Natürlich ist es 'nur' eine Kurzgeschichte, aber dennoch gelingt es Agatha (oder vielmehr auch dem Übersetzter) nicht so richtig diese wirklich interessant zu gestalten. Das die Umgebung etwas kürzer kommt, kann ich durchaus verkraften, da dafür im Grunde ja auch nicht wirklich so viel Zeit ist. (Meiner Meinung nach hätte man dies somit auch ganz raus lassen können)

Die Aufklärung des Falles kam mir dann auch zu plötzlich und war doch recht vorhersehbar. Parker Pyne spielt in 'Tod auf dem Nil' im Endeffekt ja auch wirklich nur eine kleine Rolle und ein richtig detektivisches Gefühl kommt eigentlich auch zu keinem Zeitpunkt so richtig zustande, was dem ganzen natürlich einen faden Beigeschmack verpasst.

Im Großen und Ganzen denke ich zwar, dass man die Kurzgeschichte ruhig gelesen haben sollte, und sei es nur um den 'kleinen Bruder' des Romanes kennen lernen zu wollen, aber man als Leser nicht so richtig von den Socken gehauen wird, da der Plot zu schwach und die Hauptfigur zu unscheinbar wirkt.

Deswegen würde ich diese Geschichte nur bedingt weiter empfehlen. Ich gebe 3 von 10 Punkten.

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Re: 2010, November/Dezember: Tod auf dem Nil (Kurzgeschichte

Beitrag von mark » 16.12.2010, 23:36

Ich muß gestehen, ich kam vorhin erst dazu, diese Kurzgeschichte tatsächlich nochmals zu lesen. Ich kenne zwar alle, aber auch nicht wortgetreu :wink: .

Meine Punktevergabe wären um die 2-3. Von meinem beruflichen Standpunkt ist schön zu sehen, allein von der Sprache (hier immer im Original gemeint), daß es als Theaterstück konzipiert wurde. Dialog mit knappen Regieanweisungen. Mit sieht förmlich das Auf- und Abtreten der Figuren auf der Bühne, hier Bootsdeck. Sehr, sehr ähnlich bei der Bühnenfassung von "Mord auf dem Nil".
Also sprachlich in dieser Hinsicht ein sehr schönes Beispiel.

Inhaltlich dafür dürftig bis sehr schwach, vor allem am Ende. Die Drittelung beim typischen Kriminalroman kann man in einer Kurzgeschichte natürlich nicht halten, d.h. im ersten Drittel des Buches müssen der Täter und Hinweise auf die Tat zur Lösung bereits aufgetaucht sein. Basil wird erwähnt und ein Satz - Frauenschwarm -, das war es. Zwei Seiten vor Schluß taucht er wieder auf und muß schon ein Geständnis (unter)schreiben. Überhaupt kein Handlungsbogen.

Landschaft: Auf der dritten Seite (im Englischen) beschreibt Christie diese in vier Zeilen, ebenfalls in Theatersprache. Was eigentlich und tatsächlich auch ausreicht, um im Kopf des Lesers eine Nillandschaft entstehen zu lassen. Es ist und soll am Ende auch nur eine Kurzgeschichte sein. Mehr will die Autorin auch nie.

Wegen der schlechten Übersetzung, nun habe ich, glaube ich die richtige (vor allem auf den Kontext bezogen, er ist mit ihrer Nichte zusammen, da kann man dann nicht "Hof machen" verwenden, muß ein passiverer Ausdruck hier rein): "Er machte ihr schöne Augen."

So, das war meine Kritik :wink:
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Re: 2010, November/Dezember: Tod auf dem Nil (Kurzgeschichte

Beitrag von Christian » 29.12.2010, 13:36

Danke für eure Beiträge. Es gibt auch sehr gute Kurzgeschichten von Agatha Christie, z.B. in den Early Cases oder auch in "Die Büchse der Pandora", finde ich.
John Curran vermutet in seinem Buch - vermutlich zurecht - dass Christie selber aus den genannten Gründen (mehr Seiten, um Plots und Charaktere differenzierter zu beschreiben) später davon absah, Kurzgeschichten zu veröffentlichen. Er belegt das mit überzeugenden Zahlen, wonach Christie am Anfang ihrer Karriere sehr viele Kurzgeschichten schrieb, dann deutlich weniger und später keine mehr.
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Re: 2010, November/Dezember: Tod auf dem Nil (Kurzgeschichte

Beitrag von mark » 29.12.2010, 20:03

Okay, die Poirotgeschichten in dem von Dir erwähnten Buch sind wirklich besser. Ich hatte da mehr Pynes Geschichten und die mysteriöseren Im Kopfe. Aber sie schrieb ja mal selbst, daß sie besser in Romane sei. Auf Johns zweites Buch bin ich ja mal sehr gespannt und freue mich schon. Mit all dem Insiderwissen und den Notizbüchern.
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