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Donnerstag, 23. Nov. 2017, 10:21
 
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Interview mit Amazon

Die geschiedene J. K. Rowling lebte mit ihrer kleinen Tochter in einer winzigen Mietwohnung in Edinburgh von der staatlichen Fürsorge, als sie Harry Potter und der Stein der Weisen in ein paar stillen Momenten an einem Kaffeehaustisch schrieb. Harry Potter hat sie gerettet! In diesem Interview mit Amazon.co.uk spricht Rowling über die Entstehung unseres Helden, das Hotel in Manchester, in dem Quidditch geboren wurde, und darüber, dass sie im Alter von elf Jahren vielleicht auch ein wenig wie Hermine war.


Amazon.co.uk: Wollten Sie schon als Kind Schriftstellerin werden?

J.K. Rowling: Ja, ich wollte schon solange ich zurückdenken kann Schriftstellerin werden. Englisch ist immer mein Lieblingsfach in der Schule gewesen. Warum ich dann meinen Abschluss in Französisch gemacht habe, wissen die Götter.

Amazon.co.uk: Wie alt waren Sie, als Sie anfingen zu schreiben, und was war Ihr erstes Buch?

Rowling: Ich schrieb meine erste abgeschlossene Geschichte, als ich etwa sechs war. Sie handelte von einem Hasen, der "Hase" hieß. Sehr phantasievoll. Seitdem habe ich nicht mehr aufgehört zu schreiben.

Amazon.co.uk: Warum wollten Sie Schriftstellerin werden?

Rowling: Wenn mich jemand nach meinem Rezept für Glück fragen würde, wäre der erste Schritt, herauszufinden, was man am allerliebsten macht; und der zweite, jemanden zu finden, der einen dafür bezahlt. Ich betrachte es als großes Glück, dass ich vom Schreiben leben kann.

Amazon.co.uk: Beabsichtigen Sie, auch Bücher für Erwachsene zu schreiben?

Rowling: Meine ersten zwei Romane -- die ich nie zu veröffentlichen versuchte -- waren für Erwachsene. Ich denke, ich könnte wieder eins schreiben, aber ich stelle mir beim Schreiben eigentlich nie ein Zielpublikum vor. Zuerst kommen die Ideen -- es hängt also wirklich davon ab, welche Idee mich als nächstes packt!

Amazon.co.uk: Wie lange brauchen Sie, um ein Buch zu schreiben?

Rowling: Für mein letztes Buch -- das dritte in der Harry-Reihe -- benötigte ich etwa ein Jahr, was für mich ziemlich schnell ist. Wenn ich es schaffe, das vierte Harry-Buch bis zum Sommer fertig zu haben -- das ist mein Abgabetermin --, dann wäre das mein bisher schnellstes Buch -- etwa acht Monate.

Amazon.co.uk: Woher kamen die Ideen für die Harry-Potter-Bücher?

Rowling: Ich habe keine Ahnung, wo Ideen herkommen, und ich hoffe, ich erfahre das nie. Es würde für mich die ganze Spannung nehmen, wenn ich erführe, dass es nur eine komische kleine Falte auf der Oberfläche meines Hirns ist, die mich an unsichtbare Bahnsteige denken lässt.

Amazon.co.uk: Wie kommen Sie zu den Namen Ihrer Figuren?

Rowling: Einige der Namen in den Harry-Büchern habe ich erfunden. Ich sammle aber auch ungewöhnliche Namen. Ich habe sie von mittelalterlichen Heiligen, Landkarten, Wörterbüchern, Pflanzen, Kriegerdenkmälern und Leuten, denen ich begegnet bin!

Amazon.co.uk: Basieren Ihre Figuren auf Menschen, die Sie kennen?

Rowling: Einige schon. Aber ich muss äußerst vorsichtig sein mit dem, was ich dazu sage. In den meisten Fällen dienen real existierende Menschen als Inspiration für eine Figur. Aber sobald sie in meinem Kopf sind, fangen sie an, sich in eine ganz andere Person zu verwandeln. Professor Snape und Gilderoy Lockhart begannen beide als übertriebene Versionen von Leuten, denen ich irgendwann begegnet bin. Sie haben sich aber dann sehr verändert, nachdem sie auf dem Papier waren. Hermine ist ein wenig wie ich, als ich elf war -- nur viel schlauer.

Amazon.co.uk: Basieren irgendwelche Ihrer Geschichten auf Ihrem eigenen Leben oder auf dem von Leuten, die Sie kennen?

Rowling: Ich habe keines der Harry-Bücher bewusst auf mein Leben aufgebaut, das bedeutet aber nicht, dass sich die eigenen Gefühle nicht doch einschleichen. Als ich das zwölfte Kapitel des ersten Buches The Mirror of Erised nochmals durchlas, bemerkte ich, dass ich viele meiner eigenen Gefühle über den Tod meiner Mutter auf Harry projiziert hatte, obwohl mir das beim Schreiben überhaupt nicht bewusst war.

Amazon.co.uk: Woher hatten Sie die Idee zu Quidditch?

Rowling: Ich erfand Quidditch, als ich einmal die Nacht in einem sehr kleinen Zimmer im Bournville Hotel in Didsbury, Manchester, verbrachte. Ich suchte nach einer Sportart für Zauberer, und ich wollte schon immer ein Spiel sehen, in dem zur selben Zeit mehr als nur ein Ball benutzt wurde. Die Idee machte mir einfach Spaß. Das Spiel, dem es am ehesten ähnelt, ist Basketball, was wohl die Sportart ist, die ich am liebsten sehe. Ich hatte viel Spaß beim Erfinden der Spielregeln, und ich habe immer noch das Notizbuch, in das ich alles geschrieben habe - komplett mit Zeichnungen und all den Namen, die ich für die Bälle hatte, bevor ich mich für Snitch, Bludgers und Quaffle entschied.

Amazon.co.uk: Woher hatten Sie die Ideen für die Zaubererschule und die Zaubersprüche?

Rowling: Ich habe mir die Schulfächer schon früh ausgedacht. Die meisten Zaubersprüche sind erfunden, aber einige von ihnen haben ihren Ursprung in dem, was die Menschen früher als wirksam erachteten. Viele unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse haben wir den Alchemisten zu verdanken!

Amazon.co.uk: Welche Zutaten sind Ihrer Meinung nach wichtig für alle Harry-Potter-Bücher?

Rowling: Ich denke eigentlich nie an so was wie Zutaten. Aber wenn ich welche nennen sollte, würde ich sagen Humor, starke Figuren und eine wasserdichte Handlung. Diese Dinge würden die Sorte Buch ausmachen, die ich selbst gerne lese. Oh, fast hätte ich es vergessen -- schaurig muss es auch sein. Ich nehme mir nie vor, den Leuten Angst zu machen, aber irgendwie schleicht es sich dann doch ein.

Amazon.co.uk: Schreiben Sie mit der Hand oder mit dem Computer?

Rowling: Ich schreibe immer noch gerne mit der Hand. Normalerweise mache ich einen ersten Entwurf mit Kugelschreiber und Papier, und meine erste Überarbeitung mache ich dann, wenn ich alles auf dem Computer tippe. Aus irgendeinem Grund ziehe ich es vor, mit einem schwarzen Kugelschreiber zu schreiben anstatt mit einem blauen, und in einer vollkommenen Welt würde ich immer ein fein liniertes Schreibpapier verwenden. Aber ich schreibe manchmal auf den verrücktesten Sachen, wenn ich keinen Notizblock bei mir habe. Die Namen der Hogwarts-Häuser entstanden im Flugzeug auf der Rückseite einer Spucktüte. Sie war natürlich leer.

Amazon.co.uk: Welche Bücher lesen Sie gerne?

Rowling: Meine Lieblingsschriftstellerin ist Jane Austen, und ich habe alle ihre Bücher so oft gelesen, dass ich aufgehört habe zu zählen. Mein liebster lebender Schriftsteller ist Roddy Doyle, der meiner Meinung nach ein Genie ist. Ich glaube, sie machen beide ähnliche Sachen -- sie schaffen völlig ausgefeilte Charaktere, oft ohne viel -- oder gar gänzlich ohne -- äußere Beschreibung, und untersuchen menschliches Verhalten in einer sehr unsentimentalen und doch rührenden Art. Und sie sind natürlich komisch.

Amazon.co.uk: Welche Bücher haben Sie als Kind gelesen? Haben die Ihre Art zu schreiben auf irgendeine Art beeinflusst?

Rowling: Es ist immer schwer zu sagen, wo die Einflüsse liegen. Alles, was man gesehen, erlebt, gelesen oder gehört hat, wird im Kopf zersetzt -- wie Kompost. Drei Bücher, die ich als Kind gelesen habe, heben sich in meinem Gedächtnis dennoch ab. Das Eine ist Das kleine weiße Pferd von Elizabeth Goudge, welches wahrscheinlich mein liebstes Buch als Kind war. Das zweite ist Manxmouse von Paul Gallico -- es ist zwar nicht sein berühmtestes Buch, aber ich finde es wunderbar. Das dritte ist Grimpel von Clement Freud. Grimpel ist eines der komischsten Bücher, die ich je gelesen habe, und Grimpel selbst -- ein kleiner Junge -- ist eine fabelhafte Figur. Ich würde liebend gern einmal einen Grimpel-Film sehen. Soviel ich weiß, sind diese letzten beiden wunderbaren Werke der Literatur vergriffen. Wenn also irgendein Verleger jemals wieder die Manuskripte rausrückt, könnten Sie sie bitte abstauben und wieder in Druck geben, damit andere Leute sie auch lesen können?

Stand: 11.04.2007

 
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