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Donnerstag, 23. Nov. 2017, 10:20
 
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"Ich schreibe nicht wegen des Geldes,
sondern wegen mir und aus Loyalität den Fans gegenüber"

J. K. Rowling: Interview mit der Times

Eine Minute nach Mitternacht wird das fünfte Harry-Potter-Buch in den Buchhandlungen landen. In einem exklusiven Interview erzählt sie Ann Treneman wie sie schließlich damit fertig wird, berühmt zu sein und wie ihre Ehe und ihre Kinder sie glücklicher als je zuvor gemacht haben.

Joanne Kathleen Rowling ist heute eine glückliche Frau und sie zeigt es. Sie begrüßt mich oben auf der Treppe in ihrem Haus, das Baby im Arm. Sein Name ist David und er ist rund und weich und flauschig. Wir gehen alle in das Vorderzimmer und dort, auf dem Regal, liegt das andere Baby in ihrem Leben: ein ein Kilo schwerer Türstopper, der das fünfte Buch in der Harry-Potter-Serie darstellt: "Harry Potter and the Order of the Phoenix".

"Es ist dick. Sehr dick", sagt sie. "Ich habe nicht gewagt die Worte zu zählen."

Wie dick ist es denn? Schließlich war "Harry Potter and the goblet of fire", das vierte Buch, 636 Seiten stark.

Joanne lugt auf die letzte Seite: "Es sind 766 Seiten. Als ich es beendete, dachte ich, 'Oh, mein Gott, es ist dicker als der Feuerkessel'. Ich wusste es bereits, aber ich dachte, nun vielleicht ist es etwas dicker und dann sprach ich mit meiner Lektorin bei Bloomsburry und sie sagte: Ihnen ist klar, wie lang es ist?' Und ich sagte: 'Nein, eigentlich nicht.' Und es waren eine Viertel Million Worte." Ihre Stimme wird zu einem Flüstern. "Ich wäre fast gestorben."

Haben Sie keinen Lektor, der Dinge kürzt?", frage ich ziemlich abrupt.

Sie lacht und und spricht wie eine Schauspielerin: "Haben sie keinen Lektor? Versucht keiner Sie je zu stoppen?". Dann kehrt sie zu ihrer normalen Stimme zurück. "Ja. Natürlich tun sie es. Aber sie meinten wirklich, dass die Informationen in dem Buch notwendig sind."

Es ist das dritte Mal, das ich J. K. Rowling interviewe. Das erste Mal war 1997 nach der Veröffentlichung ihres ersten Buches "Harry Potter und der Stein der Weisen." Sie war ein aufstrebender Stern mit keiner Vorstellung von der Galaxie, in die sie und Harry bald aufsteigen würden. "Ich habe nie geträumt, dass dies geschehen würde", sagte sie damals, als die Verkaufszahlen 30 000 Stück erreichten. "Meine realistische Seite gestattete es mir vorzustellen, dass ich eine gute Besprechung bekommen würde. Das war meine Vorstellung von einem Höhepunkt. Alles andere war für mich wie das Betretten des Wunderlands."

Wirklich Wunderland. Drei Jahre später, im Mai 2000, treffen wir uns in einem Hotelzimmer in Edinburgh. Sie hatte gerade "Harry Potter und der Feuerkelch" beendet, war schnell und lustig und nervös, rauchte fünf Marlboro Lights in zwei Stunden und sprach wie ein Maschinengewehr im Sperrfeuer. Zu der Zeit hatte sie 30 Millionen Exemplare verkauft, ein Film stand vor der Veröffentlichung und Merchandsing-Verträge wurde abgeschlossen. Ihr Vermögen wurde auf 15 Millionen £ geschätzt. Aber ihr Leben, das sich um ihre Tochter, das Schreiben und Freunde drehte, hatte nichts von dem Glanz, das Geld bringen kann.

Drei Jahre vorgespult. Rowling hat nun fast 200 Millionen Bücher verkauft und ist geschätzte 280 £ wert. Sie ist reicher als die Queen und ist als 122.-reichste Person (und die 9.-reichste Frau) in Großbritannien gelistet. Einige Leute würden diese Fakten richtig genießen, sie wie Diamanten in der Sonne aufblitzen lassen. Ich bezweifelte es, dass Rowling dies tun würde: als wir uns das letzte Mal trafen, bestritt sie berühmt zu sein und sagte ihr einziger größerer Kauf sei ein Aquamarine-Ring gewesen, den sie ihren "Niemand-drückt-mich-runter-Ring" nannte.

Ich war neugierig, sie wieder zu treffen und zu sehen, wie sie sie verändert hatte. Es ist wahr, dass ich Joanne nicht im Hello!-Magazin gesehen hatte, wie sie ihren schönen Esstisch vorzeigte oder so etwas, aber man weiß nie: Geld und Ruhm kann wie Macht korrumpieren. Fakten gibt es wenige. Sie ist nun 37 und heiratete vor 18 Monaten Dr. Neil Murray, einen Anästhesisten. Jessica, ihre Tochter aus einer früheren Ehe, ist fast zehn und David wurde im März geboren. Die Familie besitzt Häuser in Edinburgh, Perthshire und London.

Ihr Hauptwohnsitz ist in Edinburgh und dort treffen wir uns. Aus irgendeinem Grud hatte ich entschieden, dass sie vielleicht eine Minimalistin ist - ein Relikt, so meinte meinte Logik, aus den Tagen der Armut. Falsch. Ihr Heim ist voll lebhafter Farben und Muster und das Vorderzimmer vollgestopft mit Büchern und Fotos. Es ist kein Schaufenster, sondern ein lebendiges Familienheim. Offenbar lebt auch ein Hund irgendwo im Haus. Sicher gibt es ein Baby im Raum, das für glucksende Hintergrundgeräusche während des Interviews sorgt.

J. K. Rowling sieht fabelhaft aus. Sie gab vor drei Jahren das Rauchen auf und, da sie stillt, muss sie sogar auf Nikotinkaugummis verzichten. Sie erklärt das, als sie sich eine Packung Wrigleys's nimmt und rät mir, Aktien des Unternehmens zu kaufen. Das Interview ist, wie das bei Ereignissen so ist, wenn kleine Babys involviert sind, ein Ergebnis sorgfältiger Planung. Sie verbrachte das ganze Wochenende damit, darüber zu grübeln, wie sie zur rechten Zeit das Baby satt und in frischen Windeln bekommenund auch selber vorzeigbar "mit all meinen Knöpfen richtig geknöpft" sein sollte.

Es dauert eine Minute, um zu erkennen, dass sie sich verändert hat. Defnitiv. Sie ist entspannter, ihre Kanten sind abgerundet. Das Maschinengewehr ist durch eine tiefere und sanftere Stimme ersetzt worden, obwohl ihr glucksendes Lachen dasselbe geblieben ist. Ich sage, dass sie verändert erscheint, ruhiger.

"Ich bin viel ruhiger. Ja, viel. Ich denke, ich bin viel glücklicher jetzt, was mich ruhiger macht."

Nun, sage ich, bei unserem letzten Treffen waren Sie es nicht.

"Aber Sie sahen mich wahrscheinlich während der schlimmsten Zeit. Als Sie mich das letzte Mal interviewten, war das keine glückliche Zeit. Buch vier zu schreiben war ein absoluter Alptraum. Ich hatte buchstäblich den Plot in der Mitte verloren. Mein eigene Frist war total unrealistisch. Das war mein Fehler, denn ich hatte niemandem etwas gesagt. Ich hatte weitergekämpft, wozu ich im Leben neige, und dann festgestellt, dass ich mich wirklich in heißes Wasser begeben hatte. Ich musste wie eine Wahnsinnige schreiben, um die Frist zu halten und das hat mich halb umgebracht. Und am Ende war ich wirklich, oh, ausgebrannt. Richtig ausgebrannt. Und die Vorstellung, gleich zum nächsten Harry-Potter-Buch überzugehen erfüllte mich mit Angst und Schrecken. Und das war das erste Mal, das ich mich je so gefühlt hatte. Ich hatte im Jahr 2000 zehn Jahre an Harry geschrieben und das war das erste Mal, das ich dachte, 'Oh Gott, ich will nicht weiter machen.'"

Rowling, die 1990 die Idee zur siebenbändigen Harry-Potter-Reihe in einem verspäteten Zug nach Manchester hatte, hatte keine Pause eingelegt seit sie begonnen hatte, ernsthaft zu schreiben als verarmte alleinstehende Mutter. Sie schrieb damals meistens in Cafés. Wenn sie ein Buch beendet hatte, begann sie sofort mit dem nächsten, manchmal am selben Tag. Und so, frisch nach dem Fertigstellen von "Harry Potter und der Feuerkelch", dem vierten Buch, fühlte sie den enormen Druck, mit dem nächsten anzufangen.

Es war nicht das erste Mal, dass sie den Stress von Fristen fühlte."Das erste, was ich tat, als dich "den Gefangenen von Azkaban" beendet hatte, war zu erörtern, den Vorschuss für das nächste Buch zurückzuzahlen." Ich sah schockiert darüber aus. "Ja, Sie können sich das vorstellen. Die Leute waren etwas bestürzt, denke ich. Ich sagte: 'Ich möchte das Geld zurückgeben und dann werde ich frei sein, es es zu meiner Zeit zu beenden und muss es nicht für das nächste Jahr fertig haben.'"

Und nun, nach Buch vier, sagte sie wieder ihrem Verleger, dass sie sich für das nächste Buch nicht auf so eine enge Zeitskala einlassen könnte. "Denn ich wusste, ich könnte es nicht. Nun, wahrscheinlich hätte ich es tun können. Weil ich hart arbeite. Ich HÄTTE es machen können, aber das Buch wäre lausig geworden und ich wäre dann totall zusammengebrochen und hätte gesagt: "Das war's, nichts mehr. Ich kann es nicht mehr tun. Das sagte ich denen." Ihre Verleger sagten ihr, sie könne das Buch in ihrem eigenen Tempo fertigstellen.

So hatte sie eine Pause von Harry, aber machte mit dem Schreiben weiter, denn sie sagt: "Ich muss schreiben." Sie will nicht viel verraten, was sie geschrieben hat, außer dass es "absolut für mich" war und eine Geschichte. Wie ein Roman? "Ja", sagt sie. Sie ist unvollendet.

Die Pause dauerte den größten Teil eines Jahres. "Ich war mir wirklich bewusst - und ich brauchte niemanden der mir das sagten musste - dass ich eine Pause brauchte und ich versuchen musste, mit dem fertig zu werden, was mit mir geschehen war. Ich musste wirklich damit klar kommen, was mit mir geschehen war, weil ich damit nicht klar kam. Ich kam damit überhaupt nicht klar. Lange Zeit sagten mir die Leute: 'Wie ist es berühmt zu sein?' Und ich sagte 'Ich bin nicht berühmt'. Nun stimmte das offensichtlich nicht. Es war die einzige Art, mit der ich damit klar kam, indem ich es so stark abstritt, das ich zeitweise praktisch blind war."

"Ich fühlte mich so, als ob ich andauernd laufen würde, um mit der Situation mitzukommen. So konnte ich nun damit klar kommen, dass ich mein Haus belagert wurde, aber ich konnte nicht damit klar kommen, dass sie es nun auf mein Privatleben abgesehen hatten. Ich war immer ein paar Schritte hinterher. Ich konnte nicht begreifen, was geschehen war. Und ich denke nicht, dass viele Leute es begriffen hätten. Die Sache war so gewaltig geworden."

Sie wird immer gefragt, warum Harry Potter so erfolgreich ist. "Und ich kann diese Frage nicht beantworten. Ich kann es nicht. Es klingt geziert. Es klingt unaufrichtig. Ich denke nie auf diese Weise darüber. Ich denke, dass es für mich gefährlich wäre, so zu denken. Sich hinzusetzen und es zu analysieren, zu entscheiden warum. Es wäre eine Übung in Nabelschauhalten. Es würde mich möglicherweise dazu bringen, abzuleiten, dass ich gewisse Dinge richtig mache und vielleicht einige Dinge lieber fallen lasse und wenn man anfängt so zu schreiben ..."

Aus dem Kopf und nicht dem Herzen, sage ich.

"Genau. Dann, denke ich, ist man verloren. Und ich wäre sicher verloren, wenn ich aufhören würde, es zu genießen. Und im Grunde genommen brauche ich das. Ich meine, was ist das Entscheidende? Ich hätte schon vor vier Jahren aufhören können zu schreiben und wir wären finanziell gesichert. Ich schreibe also nicht für das Geld. Ich könnte wirklich ohne den Ruhm auskommen. Der einzige Grund ist es, mich selbst zufrieden zu stellen und wegen der Loyalität gegenüber den Fans." Und auch wegen Harry, sage ich.

"Absolut. Wenn ich sage für mich, bedeuted es für Harry ... dem gegenüber treu zu sein, von dem ich weiß, dass es sein Ende sein wird."

Wie würden Sie ihre Gefühle über Ruhm beschreiben?

"Ich wollte ihn nie und habe ihn nie erwartet und habe sicher nicht dafür gearbeitet und ich betrachte ihn als etwas , durch das ich hindurch muss - wirklich. Es hat nette Seiten für mich, aber persönlich für mich überwiegen wahrscheinlich die negativen die positiven. Und wir reden hier darüber, berühmt zu sein im Gegensatz zu das Geld zu haben, denn das Geld hat mich offentsichlich von einer Menge Sorgen befreit und hat meine Kinder abgesichert in dem Sinne, dass ich weiß, dass die genug zu essen haben und so weiter. Und das ist es, was das Geld mir bedeuted."

Ja, sage ich, aber darüber sind sie doch weit hinaus.

"Absolut. Es ist weit darüber hinausgegangen."

Ist es merkwürdig?

"Ja, sehr merkwürdig. Und man fühlt sich deswegen schuldig. Eine Freundin von mir sagte mir neulich: 'Aber ich würde einfach in ein Geschäft gegen und würde einfach sagen: Ich möchte davon etwas, davon und davon in jeder Farbe. Warum tust du das nicht?' Aber Fakt ist, dass, wenn du das tun kannst, willst du das nicht mehr wirklich. Die Menge an Zeug, die du wirklich kaufen willst, wenn du es kannst, schrumpft sehr zusammen. Während, als ich total plete war, hätte ich alles gekauft."

Also wollten Sie damals Dinge erwerben?

"Ja. Weil ich es nicht konnte. Ich konnte es einfach nicht. Ich meine wegen eines neuen Geschirrtuches konnte ich ganz aufgeregt werden. Sie glauben, ich scherze!"

Was meinen Sie damit, dass Sie sich schuldig fühlen?

"Es erscheint mir, nun, das kam zu mir durch etwas, was ich am liebsten tue. Ich glaube, ich fühle, als ob ich nicht genug dafür gelitten habe."

Ich sage, so läuft das auch nicht.

"Ich weiß. Ich weiß. Wir wissen alle, das es nicht so läuft. Die Welt ist völlig vermasselt. Als David geboren war, schickte mir eine Firma kostenlose Babystrampelhosen. Ich fand das erschütternd und mir sind einmal die Tränen gekommen. Ich erinnere mich an Jesscia, wenn jemand mir damals kostenlose Babystrampelhosen gegeben hätte, das wäre eine große Sache gewesen. Das hätte mir eine glückliche Woche beschert. Es ist einfach unfair, nicht?"

Rowling sagt, dass sie es liebt zu schreiben, sie schreiben muss, glücklich oder traurig, aber dass es viel leichter ist, wenn sie glücklich ist. Das neue Buch wurde geschrieben in der glücklichsten Zeit ihres Lebens. Sie hatte bereits mit der Arbeit vor ihrer Heirat am zweiten Weihnachtstag 2001 angefangen. Ich sage, es muss aufregend gewesen sein, jemanden neues zu treffen. "Es war unglaublich. Ich wollte immer mehr Kinder haben und ich hatte den Punkt erreicht, wo ich dachte, OK, ich habe so viel Glück gehabt. Ich habe die Bücher, ich habe Jessie. Ich kann mich nicht beklagen. Und da war diese Sache ganz erstaunlich."

Ist es wahr, frage ich, dass man jemanden trifft, wenn man nicht danach sucht?

"Ja. Bestimmt. Ich hatte nicht erwartet, jemanden zu treffen, wirklich. Ich dachte, die Last war zu viel und es ist eine Binsenweisheit, dass, wenn man berühmt wird, dass man überhaupt keine Leute trifft, sondern nie jemanden, mit dem man eine Beziehung haben will, schon gar nicht heiraten. Sicher, man trifft Leute, aber es meistens sind es solche, die sehr scharf darauf sind, dir näher kommen wollen und vielleicht nicht solche, die du wirklich treffen möchtest."

Sie sagt, dass es glücklich für sie wie für ihren Ehemann ist, dass ihre Berufe so unterschiedlich sind.. "An dem Abend, als wir uns trafen, sagte er mir, dass er die ersten zehn Seiten vom "Stein der Weisen" bei einer Spätschicht im Krankenhaus gelesen habe, und er denke, es wäre ganz gut gewesen. Und ich dachte, das ist fantastisch. Er hatte nicht die Bücher gelesen. Er hatte wirklich so gut wie keine Ahnung, wer ich war. Es bedeutete, dass wir uns auf ziemlicher normaler Art kennen lernen konnten. Ich denke, dass er nun auf dem Laufenden ist, der arme Kerl. Zu der Zeit hatte er überhaupt keine Ahnung von dem."

Sie schrieb den größten Teil des neuen Buches in Edinburgh und einen Teil in Pertshire. Sie schreibt nicht länger in Cafés, weil Leute sie beobachten und es lenkt sie auf sich selbst ab. Zu Hause schreibt sie den ganzen Morgen in ihrem Büro, das so groß ist wie ein Ein-Personen-Schlafzimmer und der kleinste Raum im Haus ist, bis sie hungrig wird, gewöhnlich gegen 12.30 Uhr. Sie macht für ein Sandwich eine Pause, geht dann zurück an den Computer bis Jessie von der Schule heimkommt (sie hat kein Kindermädchen angestellt seit sie geheiratet hat). Sie führten den Hund aus, ein Jack Russell. Sie macht Tee. Neil kommt nach Hause. Je nachdem wie müde sie ist, schreibt sie noch mehr am Abend.

Ein Tag pro Woche verbringt sie mit "Wohltätigkeitskram". Sie hat eine wohltätige Stiftung und ist Schirmherrin verschiedener Gruppen, einschließlich einer für allein erziehende Eltern und die Multiple-Sklerose-Gesellschaft in Schottland (ihre Mutter starb 1990 an dieser Krankheit im Alter von 45 Jahren). Ich sage, dass ich glaubte, sie spende eine ganze Menge Geld anonym und sie starrt auf den Teppich und presst die Lippen zusammen.

Rowling wurde in der Mitte des Buches schwanger und wusste, sie wollte das Buch beenden, bevor das Baby zur Welt kam. "Ich wurde dicker und dicker und dicker und dann, gerade vor Weihnachten, wurde mir klar, dass ich das Buch beendet hatte und das war die erstaunlichste Sache. Eine unglaubliche Sache. Es hat mich tatsächlich überracht. Ich schrieb das letzte Kapitel, schrieb ein paar Teile davon neu, wie man das macht und dann schrieb ich vor mich hin zum Ende eines Absatzes und dachte: "Oh mein Gott, ich habe das Buch beendet! Ich konnte nicht glauben, dass ich es geschafft hatte."

Ich mache einen Kommentar darüber, wie lang es ist und sie sagt: "Es ist hysterisch. Am Tag vorher sagten sie noch: 'Sie hat eine Schreibblockade' und am nächsten 'Sie ist maßlos'. Und ich dachte, nun, was für einen Unterschied können 24 Stunden machen."

Das "sie" in dem Satz ist die Presse. Sie ärgert sich über die Vorstellung, dass berichtet wurde, sie leider unter einer Schreibblockade fast so wie über den Druck einer Frist. Sie gibt zu,"zu dünnhäutig" zu sein. "Aber so bin ich und ich könnte die Bücher nicht schreiben, wenn ich nicht so wäre." Sie war echt betrübt über die Anklagen, erhoben von der amerikanischen Schriftstellerin Nancy Stouffer, sie sei eine Plagiatorin und feierte, als ein New Yorker Gericht letztes Jahr entschied, das sie unschuldig sei. Sie schützt Jessicas Privatsphäre leidenschaftlich, nutzt sie nie zu Publicity-Zwecken oder bei Filmpremieren. Sie spricht selten über sie, obwohl, als ich sie frage, warum sie das Haus in London gekauft hat, sie lacht und sagt, dass sie vorher im Claridge's abgestiegen ist und "meine Tochter sich zu sehr an den Zimmerservice gewöhnte."

Man vergisst leicht in dem warmen und lichtdurchfluteten Raum die dunkle Seite der Potter-Manie. Aber sie gibt es da draußen. Einige Leute sind von der Idee besessen, dass ihre Bücher Kindern Böses und Magie lehren und glauben, dass Rowling eine Art Hexe ist. "Ich fand Todesdrohungen gegen mich im Internet", sagt sie, als sie beschreibt, wie sie etwas suchte und sich auf eine Potter-Hass-Seite wiederfand. "Und dann mitten im Messageboard fand ich, nun, wie Leute angewiesen wurden, mich zu erschießen, im Grunde genommen. Das war keine nette Sache, auf die ich stieß. Es ist bizarr." Sie seufzt. "Aber was kann man machen?"

"Ruhm ist eine sehr merkwürdige und isolierende Erfahrung", sagt sie. "Und ich weiß, einige Leute sehnen sich danach. Viele Leute sehnen sich danach. Ich finde das sehr schwierig zu verstehen. Es ist unglaublich isolierend und belastet deine Beziehungen sehr." Die meisten ihrer Freunde werden belagert und Zeitungen bieten ihnen Geld für ihre Geschichten an und Rowling fühlt sich deswegen schuldig.

Ihre Ansichten über einige Journalisten sind in Rita Skeeter verkörpert, eine Figur, die, als man sie das letzte Mal sah, ein Käfer geworden war und in einem Marmeladenglas gefangen war. "Ich bin von Rita fasziniert und habe einen widerwilligen Respekt für sie", sagt Rowling. "Sie hat ein dickes Fell, das ich auch gerne hätte, aber nicht besitze. Und man muss ihre Hartnäckigkeit und ihren Einfallsreichtum bewundern. Aber ich würde sie nicht gerne treffen."

Es ist schwierig, ein Interview über ein Buch zu machen, dass man nicht lesen durfte. Sie fühlt mit, aber verrät nicht viel. "Dieses Buch ist etwas abweichend. Harry ist sehr ärgerlich. Sehr ärgerlich. Und er ist den meisten Teil des Buches ärgerlich. Aber ich denke, das ist berechtigt, wenn man bedenkt, was ihm widerfahren ist und das ihm nicht viele Informationen gegeben wurden. So ist es keine sehr gemächliche Geschichte. Und es gibt auch einen scheußlichen Todesfall. Scheußlich, weil es jemand ist, den ich als Figur mag."

Sie ergänzt: "Diesmal ist es jemand, den ich für eine Hauptfigur halte." Sie weinte, als sie die Todesszene schrieb, wie sie es zweimal beim Schreiben von "Harry Potter und der Feuerkelch tat.

Harry steckt nun "sehr in der Pubertät und hat eine so leichte Zeit wie ich." Und wie war das bei Ihnen? "Wie das bei mir war? Ich war nicht selbstsicher und ich denke, die anderen waren es auch nicht! Ich denke einfach, dass es eine sehr verwirrende Zeit ist. Ja, er ist sehr verwirrt auf Jungen-Art. Er vesteht nicht, wie Mädchen denken." Ich sage, im Alter von 15, sagen Jungen normalerweise gar nichts. Sie lacht und sagt, Hermine sei mehr als glücklich, alle diese Momente der Stille mit ihrem Ratschlag zu füllen.

"Diesmal hat Harry wirklich - zum ersten Mal - eine Art Beziehung. Die Betonung liegt sehr auf "eine Art". Das hat wirklich Spaß gemacht zu schreiben. Ich denke, Sie werden es schmerzlich finden. Man sollte es schmerzlich finden, es ist schmerzlich. Aber es hat Spaß gemacht, es zu schreiben. Armer Harry! Was ich ihn habe durchmachen lassen."

Sie hat bereits angefangen, an Buch sechs zu schreiben. "Ich habe es angefangen, als ich schwanger war. Das war eine andere Situation, denn ich wusste, ich musste es nicht musste, das bedeutete wiederum, dass ich es wollte! Wissen Sie, genau das Gegenteil vom Feuerkelch. Und ich bin auch in einer wunderbaren Position. Vertraglich gesehen muss ich noch nicht einmal überhaupt ein einziges Buch schreiben. So kann keiner überhaupt schreiben, ich hätte ein Frist versäumt, da ich wirklich keine vertragliche Frist für sechs und sieben habe."

So haben Sie also Freiheit, sage ich.

"Ich habe tatsächlich Freiheit. Ich möchte einige Zeit mit David verbringen, denn ich habe ihn nicht, um ihn an ein Battalion von Kindermädchen zu übergeben. Aber ich möchte wirklich Buch sechs und sieben schreiben."

Sicher wird Buch sechs kürzer, sage ich. Und sie stimmt zu. "Sieben, auf der anderen Seite, wird wahrscheinlich gewaltig. ... es ist nun ein so gewaltiger Teil meines Lebens geworden. Ich sehe schon, dass ich wirklich Angst davor haben werde, ihn her zu geben. Ich werde wahrscheinlich das Ende von Buch sieben erreichen und denken, ich muss mich kneifen, ich muss mich kneifen. Die Tatsache, dass ich die Serie beendet habe, wird außergewöhnlich sein."

Aber ist das letzte Kapitel von Buch sieben nicht schon geschrieben? Ja, sagt sie. Es ist versteckt. An einem geheimen Ort? "Bewacht von Trollen."

Kennt es keiner?

"Ich habe es niemandem erzählt. Buchstäblich niemandem. Wenn Sie jemanden behaupten hören, er wisse, was am Ende geschehe, lügt er hundertprozentig. Ich habe es nie jemandem gesagt."

Vielleicht wenn Sie betrunken sind ...

"Ich würde es nie jemandem sagen. Ich weiß einfach, dass ich es nicht tun würde. Sie könnten mich gar nicht betrunken genug machen!"

Es ist Zeit zu gehen. David hat sein Mobilé und seine Schaukel überstrapziert und wir haben mehr als anderthalb Stunden geredet. Das Interview ist ganz anders als das vorige und mir scheint, dass Joanne Rowling in den letzten drei Jahren erwachsen geworden ist. Sie hat ihren persönlichen Dämonen Ruhm, Geld und Unsicherheit gegenüber gestanden. Sie hat Ausgeglichenheit in ihrem Leben und nun, zusätzlich zu allem anderen, Freiheit. Es ist eine berauschende Mischung, sicherlich ein Wunderland, aber sie wird es behutsam betreten. "Ich bin die Art Person, die Mr. Katastrophe hinter der Ecke befürchtet, weil er dort oft auf der Lauer lag. Ich versuche, den Mittelweg zu finden, zwischen großer Dankbarkeit, für das, was geschehen ist - denn ich bin ungeheuer dankbar dafür - und Furcht vor Überheblichkeit, denn ich denke, alles könnte morgen schief gehen."

Inteview: Treneman. The Times <London>, 20.06.2003
Übersetzung: Christian Kirsch

Stand: 11.04.2007

 
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